CoronaMontbrison

Unsere französischen Freunde in Montbrison: wie erleben sie die Corona Zeit?

Unser Schüleraustausch mit dem Lycée du Beauregard in Montbrison konnte in diesem Jahr aufgrund der besonderen Lage leider nicht stattfinden. Das war besonders schade, weil die Austauschpartner für die 8. und 9. Klassen schon zugeteilt waren und die erste Kontaktaufnahme schon stattgefunden hatte. Manche unserer Schüler berichteten auch, dass sie sich schon oft mit ihren corres per Whatsapp unterhalten hatten und man sich nun so gerne „richtig“ kennengelernt hätte!

Natürlich war die Situation in Frankreich ähnlich wie in Deutschland. In Frankreich wurden die Départements (entspricht ungefähr unseren Landkreisen) gemäß der Infektionsdichte und -gefahr in rote und grüne Zonen eingeteilt, wobei die östlichen Teile Frankreichs immer noch im „roten“ Bereich liegen. Das Département „Loire“ (43), in dem Montbrison liegt, wird als „grün“ klassifiziert. Dort wurden die Schulen nach und nach ab dem 18. Mai wieder geöffnet, aber zunächst nur für die 5. und 6. Klassen. Unsere Freunde aus Montbrison, die Schüler am Lycée Beauregard sind, lernen also zum jetzigen Zeitpunkt (Ende Mai) immer noch digital von zuhause aus.

Ich habe meiner französischen Kollegin Muriel Charras, die mit mir den Schüleraustausch organisiert, Fragebögen zugeschickt, die die Schüler an ihrer Schule ausfüllen sollten, um von ihren Erfahrungen zu berichten.

Coralie aus der 10. Klasse erzählt zum Beispiel, dass sie gemischte Gefühle hat, wenn sie an die Rückkehr in die Schule denkt. Einerseites freue sie sich auf den normalen Unterricht, denn der digitale Unterricht (den die Schüler am Lycée übrigens über die Plattform „Pronote“ erhalten) könne den normalen Unterricht nicht ersetzen. Andererseits fürchtet sie die erhöhte Ansteckungsgefahr in der Schule. Sie hat sich einen strengen Tagesplan gemacht: Aufstehen um 7 Uhr, von 8 – 12 Uhr Hausaufgaben machen und am Nachmittag das nachholen, was sie am Vormittag nicht geschafft hat. Aber sie hat auch Zeit für Hobbys: Da sie gerne malt, hat sie sich im Porträtmalen geübt – leider nur in Selbstporträts, wegen der Kontaktbeschränkungen!

Max, ebenfalls aus der 10. Klasse, meint, er wäre erstmal froh gewesen, dass die Schulen geschlossen waren. Dann merkte er aber, dass er seine Klassenkameraden vermisste. Er nutzt die Zeit für Bodybuildung und Serien schauen und er hofft, im Sommer wieder etwas mit seinen Freunden unternehmen zu können.

Meine Kollegin Muriel Charras erzählte mir, dass sie noch nie so viele Spaziergänger und Sportler gesehen hat wie in den letzten Monaten in Montbrison. Das Gefühl, das man angesichts der leeren Straßen und der Warnhinweise in der Schule hat (siehe Fotos), beschreibt auch sie als eigenartig und beklemmend.

„Restez à la maison! – Bleibt zuhause!“, war der Slogan, den man in den letzten Monaten in Frankreich überall lesen konnte. Wir hoffen natürlich, dass wir unser Zuhause irgendwann wieder in Richtung Frankreich verlassen und unseren Austausch nachholen können!

Tanja Bintakies
Fachschaftsleitung Französisch
(35.5.2020)