Kreuzwegweihe

Kreuzwegweihe an der Knabenrealschule Rebdorf

Anlässlich des 60-jährigen Schuljubiläums geht die Schulfamilie zum ersten Mal ihren neuen Kreuzweg

Nun ist es endlich soweit! Mit dem kirchlichen Segen, den Pater Michael Huber, der designierte Generalvikar des Bistums Eichstätt, über die Tafeln des neuinstallierten Kreuzwegs auf dem Schulgelände der Knabenrealschule Rebdorf spendete, ist ein Großprojekt der diözesanen Schule vollendet. Anlass dieser Aktion ist das sechzigjährige Jubiläum der Schule, die 1959 von den Herz-Jesu-Missionaren gegründet wurde. Bereits seit vier Jahren besteht nun schon die Tradition, dass die ganze Schulgemeinschaft am letzten Schultag vor den Osterferien den Kreuzweg betet, der auf eine besondere spirituelle Weise hilft, das Leiden Jesu in den Blick zu nehmen, es auf heutige Situationen zu übertragen und alle Schülerinnen und Schüler auf das Osterfest vorzubereiten. Die sieben Stationen, die heuer als Tafeln (ca. 150x40cm) auf dem Schulgelände Rebdorf fest und dauerhaft angebracht wurden, sollen helfen, diese Tradition zu stützen, und stehen auf dem offenen Schulgelände auch der Allgemeinheit zur Verfügung. Interessierte Gruppen und Pfarreien, Touristen, Radfahrer oder auch Einzelne können am Eingang über den Radweg am Fischerbuck eigenständig den Weg nachgehen. Wegweiser helfen bei der Orientierung. Über mobile Endgeräte können an jeder Tafel über einen QR-Code Meditationstexte abgerufen werden, die helfen sollen, das dargestellte Geschehen der einzelnen Tafeln tiefer zu verstehen.

Das durchgehende Motiv der Bilder und der Texte der verschiedenen Tafeln des Kreuzwegs ist die „Hand“. So haben Schülerinnen versucht, mit ihren Händen die Themen des Leidenswegs Jesu darzustellen und auszudrücken. Fotos mit beeindruckenden Szenen übersetzen das Geschehen von damals durch unterschiedliche Hand-Haltungen in unsere Zeit. Damit greifen sie weit über das Geschehen des Karfreitags hinaus und verweisen mitten ins Heute, in dem sich all das Schreckliche, aber auch das Tröstliche von damals immer neu wiederholt.

Alles beginnt mit dem „Ab-hand-eln“, das ein Verurteilen ist. Menschen werden wie ein „Fall“ abgehandelt und dabei auf die Seite geschoben (1. Station). Weiter geht es über das „Hand Anlegen“ (2. Station) und das aus der „Hand Gleiten“, das an Fallen und Scheitern erinnert (3. Station). Doch es gibt auch Hände, die helfen (4. Station); und solche, die angenagelt sind und nicht mehr „hand-eln“ können (5. Station). Letztlich endet das Leiden scheinbar im Sterben. Beim Geschehen am Karfreitag legte Jesus betend und sterbend sein Leben in die Hände Gottes. Das kann für uns alle Trost und Hoffnung sein. Denn Leben ist zwar immer ein „Aus-der-Hand-Geben“, darin aber zugleich ein „In-die-Hand-Legen“ (6. Station).

Die ersten sechs Stationen wurden stellvertretend von einer Schülergruppe mit Gästen gegangen, während sich alle anderen Klassen in ihren Unterrichtsräumen und an unterschiedlichen Orten auf dem Schulgelände mit ausgewählten Themen des Kreuzwegs beschäftigten.

Bei der letzten Station, die das tiefe Vertrauen ausdrückt, dass wir in unserem Leben und Sterben letztlich in Gottes Hand geborgen sind und die für die Auferstehung Jesu an Ostern steht, kamen schließlich alle gemeinsam an einem Ort zusammen. Sehr beeindruckend war, wie etwa 600 Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrkräften und zahlreichen Gästen im kleinen Pausenhof die Botschaft vom Leben hörten, das weiterreicht als das Sterben, und von einer Liebe, die stärker ist als aller Hass.

Mit den fest installierten Kreuzwegstationen verfolgt die Schule letztlich ein doppeltes Ziel: Zum einen soll versucht werden, die Schülerinnen und Schüler Leid-sensibel zu machen. Sie sollen spüren, dass Leiden, egal von wem, uns alle etwas angeht. Der zweite Blick entwächst dem ersten. Wer Leid sieht und wahrnimmt, kann anfangen, dagegen etwas zu machen, der wird beginnen, gut und menschlich zu handeln und die Welt zu verändern. Es geht um den zweifachen Blick der Compassion, der Leiden wahrnimmt und anfängt, dagegen solidarisch zu handeln. In großen Inschriften sind diese beiden Gedanken am Eingang der Schule über der siebten Stationstafel auch zu lesen.

Alles in allem leistet der Kreuzweg in diesem Verständnis einen wichtigen Beitrag zu einer umfassenden und ganzheitlichen Bildung und Erziehung von jungen Menschen und erfüllt von daher eine der wichtigsten Aufgaben von Schule heute.

Andreas Völker, Fachschaftsleiter Religion
(15.4.2019)