Kreuzweg an der Knabenrealschule Rebdorf

Kreuzweg an der Knabenrealschule Rebdorf

Um den letzten Stationen im Leben Jesu nachzuspüren, veranstaltete die Knabenrealschule auch in diesem Jahr wieder einen Kreuzweg mit allen Klassen. Als Einstimmung in das Geschehen der unmittelbar bevorstehenden Heiligen Woche machten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem leidenden Jesus auf seinen Weg.

Dabei konnten sie lernen, mit den „Augen des Erlösers“ einen „eigenen Blick“ auf das Geschehen von damals zu werfen, das sich oft genug in heutigen Erfahrungen widerspiegelt.

Hilfestellungen dazu gaben Bilder des Künstlers Stefan Weyergraf, genannt Streit, die dieser für den ökumenischen Jugendkreuzweg im Jahr 2011 zur Verfügung stellte.

Als Besonderheit wählte der Künstler, der in Adelschlag lebt, bei jeder Station die Perspektive des Leidenden. Buchstäblich mit den „Augen Jesu“ kann so der Betrachter selbst Einblick in das Geschehen des Karfreitags nehmen. Mit den „Augen Jesu“ konnten deshalb die Schülerinnen und Schüler auch einen Blick auf ihr Leben werfen. Denn die Menschen, denen Jesus auf seinem Kreuzweg begegnet, stellen drei grundlegende Weisen des Menschseins vor Augen:

Da sind die, die das schreckliche Geschehen befehlen und durchführen. Es sind Menschen, die über andere leichtfertig urteilen; die bereit sind, andere fertig zu machen, oder die anderen das Leben erschweren.

Da gibt es aber auch die Menschen, die einfach nur zuschauen. Letztlich bekümmert sie nichts, sie halten sich raus und bleiben unbeteiligt.

Es gibt aber zum Glück auch Menschen, die zupacken und helfen, die sich angehen lassen vom Leid und die auf ihre Weise wenigstens versuchen zu helfen.

Auf dem Kreuzweg waren diese Menschen Pilatus und die Soldaten, die Masse der Gaffer, aber auch Simon von Cyrene und Veronika. Im Leben heute gibt es auch diese Typen von Menschen. Die große Frage hierbei ist: Wo stehe ich? Welches ist meine Rolle? Wie wirke ich – in der Familie, in der Klasse oder in meinen Beziehungen?

Der Weg Jesu, der äußerlich in der Katastrophe der totalen Vernichtung endete, der aber von Gott zu einem Heilsweg wurde, der zwar nicht am Tod vorbei, aber durch den Tod hindurch ins Leben führte, zeigt, dass es sich lohnt, sich auf die Seite derer zu stellen, die sich vom Leid anderer berühren lassen und die sich deshalb dafür einsetzen, die Welt etwas gerechter und menschlicher zu gestalten. Das Beten des Kreuzweges kann und soll in diesem Sinn „Wege zum Leben“ eröffnen. Das gemeinsame Nachdenken kann dazu beitragen, dass Menschen die Kraft finden, in ihrer Zeit und in ihrer Umgebung diese Lebens-Wege auch zu gehen.

Andreas Völker, Fachschaftsleiter Katholische Religionslehre