Drogenvortrag2017

Drogenvortrag „Wenn der Paketdienst zweimal klingelt… “

Drogen und Sucht sind unangenehme Themen, die man als Eltern gerne ausblenden möchte. Und doch ist gerade in den letzten Jahren der Drogenkonsum wieder ein besonders akutes Problem unserer Gesellschaft geworden.

Ein Vortrag der Kripo Ingolstadt an der Knabenrealschule Rebdorf möchte Eltern für diese Thematik sensibilisieren.

„Kontakt zu Drogen? Mein Kind? Nein!“ So denken wohl die meisten Eltern.

Und doch: „80 Prozent der 15 bis 16-jährigen Jugendlichen hatten bereits Umgang mit Cannabis“ Spätestens nach diesem Satz von Ersten Kriminalhauptkommissar Hagen war es mucksmäuschenstill im Medienraum der Knabenrealschule.

In einem fast zweieinhalbstündigen Vortrag referiert der Ingolstädter Polizeibeamte kurzweilig, aber auch schonungslos über seine täglichen Erfahrungen im Kampf gegen Drogenmissbrauch und Rauschgiftkriminalität und informiert die interessierte Zuhörerschaft über die aktuellen Entwicklungen der letzten Jahre - zweieinhalb Stunden, in denen man eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Zu dieser Veranstaltung eingeladen hatte der Elternbeirat der Knabenrealschule Rebdorf mit dem Ziel, die Elternschaft und auch die Lehrkräfte über diese schwierige Problematik zu informieren und auch zu sensibilisieren.

Unterlegt mit Fällen und Erfahrungen aus seiner täglichen Arbeit mit den „Giftlern“, wie er sie im typischen Polizeijargon nennt, zieht Hagen ein schonungsloses Fazit:

Es war nie so leicht wie heutzutage, an illegale Substanzen zu kommen! Über das Internet lässt sich mittlerweile alles bestellen - geliefert wird via Paketdienst frei Haus.

Das Rauchen sieht Hagen als eine besondere Gefahr für einen Einstieg in den Drogenmissbrauch. Wer an den Tabak bereits gewöhnt ist, wird viel eher auch Cannabisprodukte konsumieren. Zudem halten die Straßendealer, die noch oftmals den Erstkontakt zur Droge herstellen, nach Jugendlichen mit Suchtverhalten besonders Ausschau – und hier fällt das Rauchen sofort ins Auge.

Allen kursierende Argumenten, die den Cannabiskonsum verharmlosen möchten, oder gar der Diskussion über eine Legalisierung erteilt Hagen eine klare Absage. Dahinter stehen oft illegale, aber auch legale Firmen und Geschäftemacher, die ihre Produkte („Rauchutensilien“) verkaufen und ihre „Kundschaft“ nicht verlieren möchten. „Kiffen“ macht nicht nur schwer seelisch abhängig, das eingenommene THC ist zudem auch ein gefährliches Zellgift, das massive Hirnschädigungen verursachen kann. Bereits nach einigen Monaten hartem Cannabis-Konsum  lassen sich die irreversiblen Veränderungen feststellen. Ein Jugendlicher, der regelmäßig Cannabis konsumiert, ist u.a. nach spätestens einem Jahr nicht mehr in der Lage, sich eine Schulstunde lang zu konzentrieren – mit verheerenden Folgen für seine Berufsausbildung und seine weitere Zukunft.

Derzeit besonders teuflisch: die in bunten Tütchen verpackten und im Netz angebotenen „Kräutermischungen“ oder „Badesalze“. Hinter ihnen verbirgt sich nichts anderes als chemisch hergestellte Cannabinoide bzw. Pulverstoffe die in Wirkung und Rausch mit Amfetamin verglichen werden müssen. Nichts an diesen sogenannten „Legal Highs“ ist legal oder harmlos!  Hagen schildert eindringlich einige Fälle, bei denen die Konsumenten bereits nach einmaliger Einnahme zu schweren, lebenslangen Pflegefällen wurden: „Ein richtiges Leben ist das nicht mehr.“

Kriminalhauptkommissar Hagen referiert im Weiteren noch anschaulich über die Wirkungen und Gefahren anderer Stoffe wie Ecstasy, Crystal oder Heroin.

Abschließend appelliert der Ermittler an die anwesenden Eltern, mit ihren Heranwachsenden unverblümt über diese Thematik zu sprechen und von vornherein klare Grenzen zu setzen, aber auch den eigenen Konsum von Alkohol und Nikotin kritisch zu hinterfragen und zu thematisieren.

Mit Vortragsangeboten wie diesem möchte Hagen Eltern die Augen öffnen und sie sensibilisieren für Anzeichen, die auf einen evtl. Drogenkonsum ihrer Kinder hindeuten könnten, und sie auch dazu auffordern, im Notfall Hilfe zu suchen. Das Wichtigste ist jedoch die Prävention in Elternhaus und Schule, betont Hagen: „Machen Sie aus ihren Kindern starke Persönlichkeiten, die dem Gruppenzwang widerstehen können!“

Einen Baustein auf diesem Weg setzt die Knabenrealschule Rebdorf im Unterricht u.a. mit dem Lions-Quest-Programm, das seit Jahren in Klassleiterstunden, Projekttagen und bei Kennenlerntagen zur Persönlichkeitsbildung und Drogenprävention eingesetzt wird. Diese kontinuierliche und erfolgreiche Umsetzung, für die sich alle Lehrkräfte der Schule fortgebildet haben, wurde in den vergangenen Jahren mehrfach mit dem Lions-Quest-Qualitätssiegel ausgezeichnet.

Alexander Gabel